Der Markt der Pools, Verbünde und Dienstleister sortiert sich neu – und das Tempo zieht deutlich an. Mit der blau direkt–Netfonds–MAXPOOL-Allianz auf der einen Seite, der VEMA-Beteiligung an BCA und der geplanten Fusion von germanBroker.net und CHARTA auf der anderen entsteht ein neues Kräftefeld. Das Versprechen lautet überall ähnlich: mehr Schlagkraft, bessere IT, breiteres Produktangebot, Sicherung der Unabhängigkeit der Makler. Die Frage ist, für wen das am Ende tatsächlich gilt – und zu welchem Preis.
Zweifellos verschieben sich Marktanteile. Die kombinierte Einheit aus blau direkt, Netfonds und MAXPOOL kommt in Leben, Kranken und Komposit jeweils in die Top 3 beim Share of Wallet der Makler. Übersetzt heißt das: Ein wachsender Teil des Geschäfts läuft durch immer weniger, dafür mächtigere Infrastrukturen. Gleichzeitig sichern sich andere Player ihre Position über Beteiligungen und Allianzmodelle: VEMA steigt bei BCA ein, getragen von einer Reihe von Versicherern; gBnet und CHARTA verschmelzen, um im „Technologiewettbewerb“ mitzuhalten.
Mit dem Zukauf von verticus durch die INFITECH Gruppe – zu der Fonds Finanz und DEMV gehören – verschärft sich diese Konzentration erneut. INFITECH bündelt damit drei Pools unter einem Dach, vergrößert den Umsatzabstand zur Konkurrenz deutlich und integriert einen auf Krankenversicherung spezialisierten, stark wachsenden Monosparten-Anbieter in ein eigenes Technologie- und KI-Ökosystem. Für Makler klingt das nach Synergien und Effizienz, bedeutet aber zugleich: Noch mehr Geschäft, Daten und Prozesse werden in wenigen großen Plattformgruppen gebündelt, deren strategische Entscheidungen sich der einzelne Betrieb kaum entziehen kann. Newsletter-Anmeldung
Für freie Vermittler sind das ambivalente Nachrichten. Größere Einheiten können bessere Konditionen, stabilere IT und mehr Spezial-Know-how bieten. Gleichzeitig steigt die Abhängigkeit von wenigen zentralen Systemen, Prozessen und Governance-Strukturen. Wer heute seinen Betrieb faktisch auf die Infrastruktur eines Pools baut, muss sich fragen: Was passiert, wenn sich Eigentümerstrukturen ändern, Investoren andere Renditeziele setzen oder strategische Schwenks vollzogen werden? Und wie viel „Unternehmer im eigenen Laden“ bleibt übrig, wenn der Zugang zu Produkten, Investmentlösungen und Technik zunehmend über Beteiligungs- und Allianzlogiken gesteuert wird?
‘Finanz Custos’-Fazit: Die laufende Konzentration im Pool-Markt ist kein neutrales Hintergrundrauschen, sondern ein Kernrisiko für die unternehmerische Freiheit freier Makler. Wo immer mehr Geschäft über wenige Plattformen läuft, verschiebt sich Macht – weg vom einzelnen Betrieb, hin zu Investoren, Verbünden und technikgetriebenen Zentren. ‘Finanz Custos’ wird den Pool- und Verbundmarkt in den nächsten Monaten sehr intensiv und kritisch beleuchten: Eigentümerstrukturen, Margenmodelle, Interessenkonflikte, Governance, Exit-Szenarien und die Rolle von KI-gestützten Vertriebs- und Verwaltungssystemen. Ziel ist nicht, gute und schlechte Pools zu etikettieren, sondern transparent zu machen, welche stillen Abhängigkeiten entstehen. Nur wer versteht, in welchem System er sich einbindet, kann bewusst entscheiden, ob die versprochene Unabhängigkeit mehr ist als eine Marketingfloskel.
Montabaur, 21.05.2026
